Gewässerentwicklungsplan für die mittlere Leine - Ziel- und Maßnahmenkonzept

Zusammenfassung:
Das Ziel- und Maßnahmenkonzept für den Gewässerentwicklungsplan (GEPL) Mittlere Leine wurde in einem moderierten Planungsprozess erarbeitet. Der Landkreis Hildesheim als Projektträger legte von Anfang an großen Wert auf eine möglichst breite, interessenübergreifende Öffentlichkeitsbeteiligung und auf freiwillige Vereinbarungen. Die Moderation wurde gemeinsam von einem Planungsbüro und der Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer durchgeführt.

Im Anschluss an eine erste öffentliche Informationsveranstaltung wurden 3 thematische Arbeitskreise gebildet. Die Teilnehmer/innen entwickelten zunächst eigene Ziel- und Maßnahmevorschläge, die vom Planungsbüro weiter verdichtet und ergänzt wurden. Der GEPL-Entwurf wurde in den Arbeitskreisen Maßnahme für Maßnahme diskutiert und mit einem Votum verabschiedet.

Der Gewässerentwicklungsplan hat in Niedersachsen gutachtlichen Charakter. Er dient als "roter Faden" für die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen, damit diese räumlich-konzeptionell in einem sinnvollen Gesamtrahmen stehen.

 
Gebiet:
Mittlere Leine (Gewässer II. Ordnung) im Landkreis Hildesheim und der südlichen Region Hannover (Land Niedersachsen) mit 67 km Flusslauf
     
Anlass:
Im Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystem hat die Leine die Funktion eines "Verbindungsgewässers" (RASPER et al. 1991). Damit sind bestimmte Ansprüche an die ökologische Durchgängigkeit und eine möglichst naturnahe Strukturierung verbunden, um die "Hauptgewässer" des Schutzsystems miteinander zu vernetzen. Dieses Grundkonzept nimmt eine Zielrichtung vorweg, die sich in analoger Weise sowohl in der WRRL als auch in der FFH-Richtlinie wiederfindet.

Für die Leine wurden im Jahre 2002 drei GEPL auf den Weg gebracht, deren räumliche Abgrenzung untereinander vor allem an Verwaltungseinheiten orientiert war. Der Landkreis Hildesheim übernahm die Projektträgerschaft für den Abschnitt der mittleren Leine zwischen Freden (Leine) und Hannover.

 
Ziele:
Interessenübergreifend abgestimmtes Ziel- und Maßnahmenkonzept für den Gewässerentwicklungsplan
 
Akteure:
Projektträger: Landkreis Hildesheim

Projektgremien: Lenkungsgruppe mit Vertretern von 10 Institutionen sowie 3 Arbeitskreise (Wasserwirtschaft und Naturschutz / Landwirtschaft / Nutzungen, Wirtschaft, Freizeit) mit insgesamt ca. 50 Teilnehmer/innen

Moderation und fachplanerische Betreuung: Ingenieurgemeinschaft agwa GmbH, Hannover, und Landwirtschaftskammer Hannover

 
Ablauf:
2002: Vorphase mit der Erarbeitung von 3 Fachgutachten im Rahmen der Bestandsaufnahme, u.a. mit den Schwerpunkten Überschwemmungsgebietsgrenzen und ökonomische Auswirkungen auf die Landwirtschaft; begleitende Information der Öffentlichkeit durch 2 Präsentationsveranstaltungen

2003: Erarbeitung des Ziel- und Maßnahmenkonzeptes

  • Einstieg mit einer öffentlichen Informationsveranstaltung und dem Angebot zur Arbeitskreisteilnahme
  • Bildung von 3 thematischen Arbeitskreisen anhand der eingegangenen Anmeldungen
  • 4 Arbeitskreissitzungen je AK, wobei innerhalb einer Woche jeweils dieselben Inhalte mit jedem AK behandelt wurden (zeitliche und inhaltliche Gleichbehandlung der AKs)
  • Abschluss mit einer Präsentationsveranstaltung für die AK-Teilnehmer/innen und einer Informationsveranstaltung für die allgemeine Öffentlichkeit

 
Ortsbegehung
  Gewässerschau
     
PR:    
Presseberichterstattung im Zusammenhang mit den öffentlichen Informationsveranstaltungen am Anfang und am Ende des Planungsprozesses.

Während der Arbeitsphase wurde bewusst keine Medienarbeit betrieben, um sich angesichts der verschiedenen Interessenlagen der Beteiligten auf die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren und keine Plattform für "öffentlichkeitswirksame" Statements aus dem Teilnehmerkreis zu bieten.

 
Ergebnisse:
Abgestimmtes Konzept mit 108 Maßnahmeempfehlungen, davon 104 im Konsens verabschiedet; bei Meinungsverschiedenheiten wurde die Mehrheitsmeinung als Maßnahmeempfehlung übernommen, aber auch das Minderheitenvotum zitiert und mit einem Blitzsymbol gekennzeichnet.

Darstellung des Ergebnisses in einem schriftlichen Bericht mit einem Kartensatz im Maßstab 1:10.000 (5 Kartenblätter)


 
Verbauentfernung   Pralluferentfesselung
 
Kosten:
Projektfinanzierung des Ziel- und Maßnahmenkonzeptes durch das Land Niedersachsen, anteilig mit EU-Programmmitteln; der Arbeitsaufwand für Moderation und Fachplanung belief sich auf rund 450 Stunden.

Der Landkreis Hildesheim als Projektträger stellte die Räumlichkeiten und Getränke für die Sitzungen zur Verfügung und übernahm den Versand der Einladungen und Protokolle.

 
Bewertung:
Bei (fast) allen Teilnehmer/innen hat sich im Zuge des Arbeitsprozesses eine konstruktive Grundhaltung entwickelt. Es wurden interessenübergreifende Konsense erzielt, die das Gesprächsklima der Interessengruppen insgesamt positiv beeinflusst haben. Die Teilnehmer/innen repräsentieren allerdings nur die interessierte (!) Öffentlichkeit. Die Konsensbereitschaft z.B. von Anliegern, die sich am Planungsprozess nicht beteiligt haben, muss maßnahmebezogen während der Umsetzung ausgelotet werden.
 
Kontakt:    

Fachdienst Umwelt
31132 Hildesheim

Telefon: 05121 / 309-0

E-Mail: info@landkreishildesheim.de


Ingenieurgemeinschaft agwa GmbH
Dipl.-Ing. Michael Jürging 
Im Moore 17d
30167 Hannover

Telefon: +49 (0)511 / 33 895-0
Telefax: 0511 / 33895-50

E-Mail: michael.juerging@agwa-gmbh.de


Landwirtschaftskammer Niedersachsen - Bezirksstelle Hannover
Dr. Josef Strotdrees 
Wunstorfer Landstr. 11
30453 Hannover

Telefon: 0511 / 4005-2462

E-Mail: Strotdrees.Josef@lwk-niedersachsen.de


 
Links / Literatur:

RASPER, M. et al. (1991):
Das Niedersächsische Fließgewässerschutzsystem – Grundlagen für ein Schutzprogramm. – Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen, H. 25/1 bis 25/4.

JÜRGING, M. & J. STROTDREES (2004):
Gewässerentwicklungsplanung als kooperativer Planungsprozess am Beispiel der Leine. – Wasser und Abfall 10/2004, S. 32-36.

JÜRGING, M. & U. SCHMIDA (2005):
Kooperative Planung am Beispiel der Gewässerentwicklungsplanung Leine. – NNA-Berichte 18/1, S. 31-35.

 
Einen weiteren Steckbrief zum Gewässerentwicklungsplan »Mittlere Leine« finden Sie >> hier.