Flussparadies Franken - Nachhaltige touristische Entwicklung des Main- und Regnitztales

Zusammenfassung:
Im Mittelpunkt des Flussparadieses Franken stehen Main und Regnitz als europäisches Naturerbe. Diese Flüsse geben der Landschaft ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter. Hier leben ganz besondere Tiere und Pflanzen, wie der blau schillernde Eisvogel, die flache Kiesbereiche liebende Barbe oder die majestätische Schwanenblume. Ziel des Flussparadieses Franken ist es, diese einmalige Wasserlandschaft so zu entwickeln, dass Mensch und Natur ihren Platz finden. Die Region bietet mit ihren 2.000 ha Wasserfläche für das Erleben im und am Wasser ein hohes Potenzial. Mit dem Rad durch die weiten Talauen fahren, mit dem Kanu in die Wasserwelt eintauchen, zu Fuß das Wechselspiel von Stadt und Fluss in der Welterbestadt Bamberg entdecken, der Natur im EU-LIFE-Projekt Mainaue ganz nah kommen. Surfen, Segeln, Baden, Reiten, Angeln, Wandern und weitere Erholungsangebote sollen in den nächsten Jahren zusammen mit den Kommunen und Akteuren im Raum für einen sanften Tourismus gestaltet werden. Das Herz der Flusslandschaft von Main und Regnitz schlägt in ihren Naturgebieten. Wenn es gelingt, diese Flusslandschaften konsequent für die Natur zu entwickeln, erhält die Region eine einzigartige Erholungslandschaft.
 
Gebiet:
Rund um die UNESCO-Welterbestadt Bamberg verbinden die Talräume von Main und Regnitz den Steigerwald, die Haßberge und die Fränkische Schweiz. Der Main ist als Lebensader Frankens von überregionaler und europäischer Bedeutung. Ab Bamberg ist der Main als Bundeswasserstraße kanalisiert. Im Obermaintal ist zwischen Bad Staffelstein und Hallstadt eine freie Fließstrecke von gut 35 km erhalten geblieben. Der Obermain wurde im 19. Jh. für die Flößerei begradigt und verbaut. Seit den 1990 Jahren wurden größere Abschnitte am Obermain wieder renaturiert. Im Landkreis Haßberge setzt das LIFE-Natur-Projekt Mainaue beispielhafte Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Baggerseen und Auelebensräumen um (www.mainaue.de).

Die Regnitz ist der bedeutendste Zufluss des Mains in Oberfranken. Sie entsteht aus dem Zusammenfluss von Pegnitz und Rednitz bei Fürth und mündet nach nur knapp 68 km bei Bischberg in den Main. Die Regnitz ist heute nur noch in Teilabschnitten vorhanden. Bei Forchheim ist sie ganz durch den Main-Donau-Kanal überbaut worden. Ab dem Wehr Neuses ist sie als freie Fließstrecke noch vorhanden, jedoch durch Ufer- und Sohlverbau in ihrer Dynamik stark eingeschränkt. Im Regnitztal hat das bisher größte bayerische Naturschutzprojekt die Sandlebensräume in den Mittelpunkt gerückt (www.sandachse.de).

     
Anlass:
Flüsse sind die Lebensadern der Natur und prägen wesentlich den Charakter einer Landschaft. Wasser ist ihr bestimmendes Element. Zusammen mit den als Folge des Kies- und Sandabbaus entstandenen Seen beträgt die heute im Main- und Regnitztal vorhandene Wasserfläche rund 2.000 ha. Mit der Ausbeutung der im Regionalplan festgeschriebenen Vorrang- und Vorbehaltsflächen können langfristig noch weitere 700 ha Wasserfläche hinzukommen.

Die Bedeutung von Main und Regnitz als Lebensraum für fluss- und auetypische Tiere und Pflanzen spiegelt sich in ihrer Meldung als FFH- und EU-Vogelschutzgebiet wider. Als lineare Elemente spielen sie eine entscheidende Rolle im Biotopverbund. Ihr ökologischer Wert liegt in der Dynamik des fließenden Wassers. Es lässt vielfältigste Biotope auf engstem Raum entstehen und wieder vergehen. Ab 1990 sind an Main und Regnitz verstärkt Maßnahmen umgesetzt worden, die eine naturnahe Umgestaltung des Flusses und der Aue für den Hochwasserrückhalt und den guten ökologischen Zustand im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zum Ziel haben.

Flüsse und ihre Auen waren und sind die Gebiete, in denen einerseits verschiedenste Nutzungsansprüche miteinander konkurrieren. Neben den Funktionen für Ökologie, Verkehr, Ver- und Entsorgung, Siedlung, Landwirtschaft, Hochwasserschutz… nimmt die Bedeutung der Flüsse und Seen für Freizeit- und Erholung stetig zu. Insbesondere in Gebieten, in denen durch Renaturierungen wieder naturnahe Flusslandschaften entstanden sind, kommen nicht nur Tiere- und Pflanzen, sondern auch Erholungssuchende wieder an die Flüsse zurück.

 

Ziele:
Das Hauptanliegen des Flussparadieses Franken ist es, die Menschen in der Region für die heimischen Flusslandschaften durch Umweltbildung und konkrete Projekte zu begeistern und dadurch sowohl für die Natur als auch für die Lebensqualität und den Tourismus eine positive Entwicklung zu erreichen. Eine zentrale Aufgabe des Flussparadieses Franken ist es dabei, die potentiellen Konflikte zwischen Naturschutz und Erholungsnutzung durch intelligente Konzepte und Maßnahmen zu mildern. Es gilt der Grundsatz der Nutzungsentflechtung: geeignete Nutzungen in geeigneten Bereichen fördern und gleichzeitig ungeeignete Nutzungen in sensiblen Naturbereichen zurück zu nehmen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass die begonnenen Renaturierungen von Main und Regnitz und ihrer Zuflüsse konsequent fortgeführt werden.
 
Akteure:
Nachdem in den ersten drei Jahren, begleitet durch das Wasserwirtschaftsamt Bamberg (seit 2006 Wasserwirtschaftsamt Kronach), mehrere Projekte erfolgreich umgesetzt werden konnten, führt seit 2006 der von Kommunen, Landkreisen und Fördermitgliedern getragene Verein Flussparadies Franken e. V. die Arbeit weiter. Für die Umsetzung der einzelnen Projekte arbeitet das Flussparadies Franken mit zahlreichen Partnern aus unterschiedlichsten Bereichen vor Ort zusammen (Umweltbildungseinrichtungen, Interessensverbände und Vereine aus den Bereichen Fischerei, Naturschutz, Kanu, usw., Kanuverleiher, Kommunen, Sportvereine, ADFC, Kulturwissenschaftler, Universitäten, Tourismusverbände, Service-Clubs…)

Umweltinformationen
 
Ablauf:
  • 29. November 2002: Konzept Flussparadies Franken wird den Kommunen an der Regierung von Oberfranken präsentiert
  • 1. Juli 2003: Start des dreijährigen Projektmanagements am Wasserwirtschaftsamt Bamberg (heute: Wasserwirtschaftsamt Kronach)
  • 2003-2005: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Vorträge, Exkursionen und Arbeit an konkreten, umsetzbaren Projekten.
  • 21. November 2005: Gründungsversammlung des Vereins "Flussparadies Franken e. V."

Schwerpunkte für die Projektentwicklung ab 2006 sind die Themen Baden und Wandern. Im Regnitz- und Maintal sollen gezielt Baggerseen zu attraktiven Badeseen umgestaltet werden. Weitere Themen für die Zukunft umfassen Angeln, Segeln, Reiten, usw. Für die zukunftsfähige Auenutzung wird ein Beweidungsprojekt mit robusten Rinder- oder Pferderassen angestrebt. Für das Obermaintal soll ein umfassendes Naturschutzprojekt entwickelt werden.

     
PR:    
  • Konzept als Broschüre gedruckt
  • Faltblätter zu den verschiedenen Projekten
  • Internetseite
  • Präsentationen, Veranstaltungen, Exkursionen
  • Presse-, Rundfunk- und Fernsehbeiträge

   
Messestand
 
Ergebnisse:
Die interkommunale Zusammenarbeit wurde über Landkreis- und Bezirksgrenzen hinweg gestärkt. In den ersten drei Jahren fanden über 120 Veranstaltungen, Treffen, Workshops, Präsentationen statt und das Flussparadies Franken war Gegenstand von über 100 Presse-, Rundfunk- und Fernsehbeiträgen.

Mit dem Flussparadies Franken ist es gelungen, Entscheidungsträger, Akteure und die Bevölkerung vor Ort für die heimischen Flüsse zu begeistern. In den ersten drei Jahren wurden bereits mehrere konkrete Projekte umgesetzt und dafür zusätzliche Mittel eingeworben. Der Verein Flussparadies Franken e. V. wird heute von den Kommunen und Landkreisen getragen, so dass die Arbeit kontinuierlich und nachhaltig weiter geführt werden kann.

 
RegnitzRadweg
Zusammen mit dem Forum Zukunft Oberfranken, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Bayern e. V., der Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim GmbH und dem Tourismusverband Franken e. V. haben die Regnitztalkommunen im Flussparadies Franken gemeinsam den RegnitzRadweg (www.regnitzradweg.de) neu konzipiert und mit einer modernen Beschilderung ausgestattet. Zwei Wege stehen zur Auswahl: die Talroute führt durch die Ortschaften zu den verschiedenen Kultur- und Naturschätzen des Regnitztales hin. Die Kanalroute folgt dem direkten Weg des Main-Donau-Kanals. Begleitend haben die Regnitztalkommunen die Kulturschätze in Text und Bild aufarbeiten lassen und zusammen mit den Umweltbildungseinrichtungen Naturerlebnisexkursionen im Ferienprogramm angeboten. Als die verschiedenen Ortschaften verbindende Achse wird der RegnitzRadweg die Basis für weitere Projekte sein. 2007 wurden zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Kronach Informationstafeln zu flussbezogenen Besonderheiten, wie der Fähre in Pettstadt, dem Werkanal bei Altendorf, der historischen Schleusenkammer 94 des Ludwig-Donau-Main Kanals, der Aischmündung oder dem Biotopbach bei Neuses aufgestellt.
 

Lebensader Regnitz in Bamberg: Fluss-Erlebnis-Pfad und Flussfest
Mit dem Fluss-Erlebnis-Pfad in Bamberg hat die Initiative Lebensader Regnitz im Flussparadies Franken das Wechselspiel von Stadt und Fluss in den Mittelpunkt gestellt. Anhand historischer Karten und Abbildungen und kurzer Texte wird deutlich, welche Funktion die Regnitz für Bamberg hatte und wie andererseits die Stadtentwicklung auch das Gesicht des Flusses verändert hat. Eine kleine Kunigunde stellt auf jeder Tafel eine von Kindern in einem Schulprojekt mit Chapeau Claque e. V. erarbeitete Frage. Das Besondere am Fluss-Erlebnis-Pfad ist, dass die Finanzierung der Tafeln durch Sponsoren erfolgt. Die Tafeln werden sowohl von Besuchern als auch von Bewohnern der Stadt Bamberg interessiert gelesen. Geplant ist, das Thema "Lebensader Regnitz" in einer Dauerausstellung im Historischen Museum in Bamberg weiter zu vertiefen.

Das erste Bamberger Flussfest an der Regnitz bei Bug fand unter Beteiligung von 20 Akteuren am 23. Juli 2006 statt. Ziel des für Familien ausgerichteten Flussfestes war es, dass die Besucher spielerisch an mehreren Stationen die Bedeutung der Flüsse für die Natur und den Menschen kennen lernen. Über ein Flussquiz und Mitmachstationen für Kinder waren alle Standorte miteinander verbunden. Mit über 5.000 Besuchern war das Flussfest ein riesiger Erfolg. Die Vereine haben selbständig gemeinsam 2007 ein Sommerfest auf die Beine gestellt. Das nächste Flussfest soll 2008 stattfinden.


Flussquiz
 
Kanuwanderweg Obermain
Für die freie Fließstrecke am Obermain haben Fischerei, Naturschutz, Kommunen, Kanuverbände und Kanuverleiher zusammen die Rahmenbedingungen für ein naturverträgliches Kanu fahren erarbeitet. Dazu wurden zwischen Lichtenfels und Hallstadt zwölf Ein- und Ausstiegsstellen festgelegt, die zum Saisonstart 2006 mit Informationstafeln, Rot-Grün-Pegeln und einer wasserseitigen Beschilderung ausgestattet wurden. Schritt für Schritt werden diese Bereiche naturnah gestaltet. Es werden somit gezielt attraktive, zugängliche Flussbereiche für den Menschen geschaffen, um an anderer Stelle sensible Naturbereiche zu entlasten. Die regionalen Kanuvermieter und der Bayerische Kanuverband haben sich verpflichtet, als "Partner für den Main" die vereinbarten Regeln einzuhalten. Entscheidend für die weiterhin positive Entwicklung sind der regelmäßige Austausch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen und die Einhaltung der vereinbarten Kontingentierung der Kanuten auf ein naturverträgliches Maß.
 
Zukunftsplan Maintal
Der Grundsatz geeignete Nutzungen fördern, ungeeignete Nutzungen vermeiden gilt gerade bei infrastrukturbedürftigen Freizeitnutzungen, wie Motorboot und Wasserski fahren, Segeln oder Surfen. Entscheidend für den Erfolg und die Finanzierbarkeit ist es, intensive Nutzungen zu bündeln und dabei bestehende Strukturen zu nutzen. Geeignet für eine Wassersport- und Freizeitnutzung sind z. B. ausgewählte Standorte am schiffbaren Main westlich von Bamberg. Die momentane Situation ist aus wasserwirtschaftlicher, naturschutzfachlicher und auch aus touristischer Sicht nicht optimal. Dieses Teilgebiet bietet einerseits für das Erleben im und am Wasser ein viel höheres Potenzial, ist andererseits aber aufgrund der bereits durchgeführten Eingriffe und Belastungen (Kies- und Sandabbau, Zerschneidung und Lärmbelastung durch Verkehrstrassen, Bebauung der Aue) auch als besonders sensibler Raum anzusehen. Daher wurde das Instrument des Raumordnerischen Entwicklungskonzeptes genutzt, das vom Wirtschaftsministerium mit EU-Mitteln ko-finanziert und begleitet worden ist. Unter dem Titel "Zukunftsplan Maintal" hat ein Gutachterteam zusammen mit den Kommunen, Behörden und den verschiedenen Interessensgruppen ein Gesamtkonzept erarbeitet, das im nächsten Schritt über verschiedene größere und kleinere Projekte umgesetzt werden soll. Dieses Konzept legt Schwerpunktgebiete für verschiedene Nutzungen fest und vernetzt die ökologisch wertvollen Gebiete über ein flussparalleles "Grünes Band". Als erste Maßnahme wurde im Herbst 2006 der „Weinradweg am Main“ vorgestellt.
 
Kosten:
Konzeption (2002), Projektmanagement, grundlegende Projektmittel und Öffentlichkeitsarbeit (2003 bis 2006): 162.000 Euro inklusive Beteiligtenleistungen der Landkreise Lichtenfels, Bamberg und Forchheim und der kreisfreien Stadt Bamberg.

Für die Umsetzung der Projekte wurden in der Regel zusätzlich kommunale Mittel, EU-Fördermittel und sonstige Zuwendungen eingesetzt.

 
Bewertung:
Das Flussparadies Franken arbeitete in diesen ersten drei Jahren gezielt konkreten Projekten, die in absehbarer Zeit umsetzbar waren. Entscheidend für den Erfolg waren und sind, die enge Zusammenarbeit von Wasserwirtschaftsamt, Regierung, Amt für Landwirtschaft und Forsten und Kreisverwaltung, die Gewinnung der Kommunen für die Idee und die Einbindung verschiedener gesellschaftlichen Gruppen über konkrete Projekte.

Der Verein Flussparadies Franken e. V. will sich in Zukunft aktiv an der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie beteiligen. Themen sind die Verminderung von Nutzungskonflikten zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung, die Gewässerqualität und die Entwicklung dynamischer Flusslandschaften als Grundlage für das Flussparadies.

 
Kontakt:    

Flussparadies Franken e.V.
96005 Bamberg
1404

Telefon: 0951 / 85 790
Telefax: 0951 / 85 87 90

E-Mail: anne.schmitt@lra-ba.bayern.de


 
Links / Literatur: