Lebendiges Gewässer Alte Elde - ein Lebensraum für den Otter - Der Otter auf dem Weg von Ost nach West

Zusammenfassung:
Die Alte Elde zwischen der Müritz-Elde-Wasserstraße und der Löcknitz wurde auf einer Länge von ca. 20 km abschnittsweise naturnah zurückgebaut. Es wurden 7 Stauwehre saniert und für wandernde Arten durch Fischtreppen und Altarme durchgängig gemacht; es wurde eine Anbindung an die Müritz-Elde-Wasserstraße geschaffen, es wurden 30 Kleingewässer als Trittsteinbiotope auf einer Fläche von ca. 3 ha gebaut; es wurden an 10 Abschnitten die Ufer auf ca. 1,2 km aufgeweitet; es wurden 13 verfüllte Altarme auf ca. 4 km Länge wieder geöffnet und das Flussufer auf mehreren km Länge bepflanzt. Der Gesamtumfang umfasste 65 Teilmaßnahmen überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern und in geringerem Umfang in Brandenburg (Ländergrenzen übergreifend).

Projektziele waren: Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit, Erhöhung der Artenvielfalt, Aufwertung des Landschaftsbildes, Verbesserung des Wasserhaushaltes in der Landschaft und Biotopverbund zwischen international bedeutsamen Schutzgebieten (Lewitz und Elbe); Verbesserung der Wanderbedingungen für den Fischotter.

 
Gebiet:
Das Gebiet zwischen Eldena (Mecklenburg Vorpommern) und Seedorf (Brandenburg) umfasst die Niederung der Alten Elde; das ehemals weit verzweigte Gewässersystem wurde in den 70er Jahren technisch und kanalartig ausgebaut: es wurden Altarme verfüllt, Mäander beseitig, Wehre zur Steuerung der Be- und Entwässerung der Niederung gebaut (für wandernde Arten nicht überwindbar), kleinere Feuchtgebiete verfüllt und Bäume und Sträucher beseitigt.
 
Anlass:
Im Rahmen eines internationalen Interreg IIc Projektes - TEN (Transnational Ecological Network) – Feuchtgebiete und ihre Vernetzung, mit Partnerregionen aus Holland, England, Dänemark, Schleswig Holstein und Niedersachsen wurde der Fischotter als Leitindikator für die Feuchtgebietsvernetzung gewählt. Ein zentrales Ergebnis des TEN-Projektes war, dass der Aufbau und die Einwanderung von in Westdeutschland weitgehend ausgestorbenen Fischotterbeständen nur gelingen, wenn die Einwanderungskorridore aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verbessert werden. Das Gebiet der Müritz-Elde-Wasserstraße mit der Alten Elde ist ein zentraler Verknüpfungsbereich zwischen dem Schweriner Seensystem und der Lewitz mit der Elbe.

Die UNB des Landkreises Ludwigslust hatte unabhängig von der Idee der Lebensraumvernetzung für den Fischotter einen Pflege- und Entwicklungsplan für den Gesamtbereich der Elde erstellen lassen, in dem die verschiedenen Möglichkeiten der ökologischen Verbesserungen aufgezeigt wurden. Der in Angriff genommene Abschnitt von ca. 20 km Länge der Alten Elde wies im Rahmen der regionalen Gesamtbetrachtung des Gewässersystems die mit Abstand höchsten ökologischen Defizite auf. Man konnte somit relativ schnell in die Detailplanung einsteigen.

 
Ziele:
Zentrales Leitbild des Projektes war, eine gesamtökologische Aufwertung des Betrachtungsraumes zu erreichen. Der Fischotter wurde als Indikator an der Spitze der Nahrungskette genutzt, um eine gesamtökologische Aufwertung der breiten Nahrungspyramide mit den dafür notwendigen Teillebensräumen zu erreichen. Dies bedeutet, nicht nur das Gewässersystem aufzuwerten, sondern auch ein weites Spektrum der ehemals vorhandenen, ökologisch wertvollen Lebensraumtypen in den Seitenräumen der Niederung zu schaffen – und dies in einem zusammenhängenden System von 20 km Niederungsgebiet.

Ein weiteres Ziel war, eine hohe Akzeptanz bei den betroffenen Landwirten und Anwohnern zu erreichen. Dies wurde durch eine frühzeitige Informationspolitik und das Prinzip der Freiwilligkeit erreicht. Wenn jemand z.B. Flächen nicht freiwillig zur Verfügung stellen wollte, wurden andere Maßnahmen ein Stückchen weiter flussabwärts im Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern durchgeführt.

 
Akteure:
Antragsteller und Projektträger war der Wasser- und Bodenverband Untere Elde in Kooperation mit der UNB des Landkreises .Die Gemeinden wurden prozessbegeleitend beteiligt. Die Planung, Organisation erfolgte in Kooperation zwischen dem Planungsbüro, der Projektleitung im Auftrag der Allianz Umweltstiftung, dem Wasser- und Bodenverband und dem Landkreis.
 
Ablauf:
Nach Genehmigung des Projektes im Mai 2004 erfolgte parallel zur Ausführungsplanung und zur Plangenehmigung die Öffentlichkeitsinformation. In den Gemeinden wurden Informationsveranstaltungen durchgeführt und eine intensive Kontaktpflege mit den Landwirten und Grundstückeigentümern betrieben.

Der Bau der 65 Teilmaßnahmen wurde konzentriert innerhalb eines Jahres durchgeführt. Eine straffe Projektleitung erfolgte durch den Wasser- und Bodenverband Untere Elde.


 

 

 

     
PR:    
Ankündigungen in der örtlichen Presse; Informationsveranstaltungen in den Gemeinden

Projektstart am 17.3.2005 mit erstem Baggerbiss vor Ort durch den Umweltminister Mecklenburg-Vorpommern Herrn Dr. Methling, Landrat des Landkreises Ludwigslust Herrn Christiansen; Dr. Niesche, Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg; Herr Dr. Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung

Abschlussveranstaltung am 1.9.2006 u.a. mit Ministerpräsident Herrn Dr. Ringstorff, Umweltminister Herrn Dr. Methling und 70 geladenen Gästen.

Kurzfilm über das realisierte Projekt: Naturschutz mit dem Bagger

 
Ergebnisse:
Die 65 Teilmaßnahmen des Gesamtprojektes sind realisiert.
 
Kosten:
Gesamtkosten des Projektes 1,9 Mio. €
 
Bewertung:
Die 65 Teilmaßnahmen wurden im Einvernehmen mit dem Wasser- und Bodenverband, den Gemeinden und den örtlichen Landwirten entwickelt; für das Gesamtprojekt wurde ein Plangenehmigungsverfahren durchgeführt.

Die Allianz Umweltstiftung München unterstützte diesen Ansatz und förderte das Renaturierungsprojekt durch Übernahme des Eigenanteils des Antragstellers (30% der Projektkosten). Somit konnten 70% der Projektkosten beim Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (Schwerin) unter Einbezug von EAGFL-Mitteln und der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes mobilisiert werden. Die Mittel der Allianz Umweltstiftung waren der Türöffner.

Ein zentraler Baustein des Erfolges war die Einbindung einer Vertrauensperson vor Ort: Der gerade pensionierte, ehemals zuständige Abschnittsingenieur des Wasser- und Bodenverbandes, der das Gewässer jahrzehntelang betreute, übernahm die Detailabstimmungen und die Beibringung der Zustimmungserklärungen der Grundstückseigentümer für die geplanten Baumaßnahmen, die für die Plangenehmigung erforderlich waren.

 
Kontakt:    

Wasser- und Bodenverband »Untere Elde«
Herr Jahnke 
Wöbbeliner Straße 5a
19288 Ludwigslust




Landkreis Ludwigslust
Herr Wegener 
Garnisonsstraße 1
19288 Ludwigslust




Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung
Herr Dr. Straßer 
26121 Oldenburg




 
Links / Literatur: