Renaturierung eines stadtnahen Baches

Kategorie:  
  • abgeschlossene Maßnahme
Dauer:   2004 - 2005 (20 Monate)
Regionale Zuordnung:    
Land:   Germany / Deutschland (Niedersachsen)
Region:   Niedersachsen
Ort:   Wolfsburg
Beteiligte:  
  • Umweltamt der Stadt Wolfsburg
  • Tiefbauamt der Stadt Wolfsburg
  • Geschäftsbereich Grün der Stadt Wolfsburg
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Wolfsburg
Kosten:  
  • Bauleitkosten ca. 10.000 €
  • Baukosten ca. 95.000 € (inklusive 15.000 € Spenden)
Thema:  
  • Gewässergüte (quality of waters)
  • Gewässerstruktur (structure of waters)
  • Hochwasser (flood risk)
  • Naturschutz (nature conservation)
  • Tourismus/Naherholung (tourism/local recreation)
  • Umweltbildung (environmental education)
  • Öffentlichkeitsarbeit/-beteiligung (public relations work)
Ziele:  
  1. Renaturierung eines Gewässerabschnittes unter weitgehender Nutzung vorhandener natürlicher Strukturen
  2. Verminderung der Hochwassergefahr bei den häufigeren kleineren Hochwässern durch Ausuferung und Nutzung des Erlenwaldes als natürlichen Retentionsraum
  3. Rückhaltung des Wassers durch Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit im oberen Gewässerabschnitt und somit Minderung der Hochwassergefahr unterhalb des renaturierten Abschnittes
  4. Entwicklung eines naturhahen Erlenbruchwaldes aus einer ehemaligen Erlenholzpflanzung
  5. Verbesserung der Strukturgüte im Sinne der WRRL und der biologischen Gewässergüte
  6. Verbesserung der Naherholungsqualität
  7. Erstellung eines außerschulischen Lernortes zur Gewässeruntersuchung und für Angebote der Naturerlebnispädagogik
  8. Erzielung hoher Identifikation der Anlieger mit ihrem "Problembach"
  9. Einbeziehung der Bürgerschaft in die Gestaltung ihrer Umgebung
Maßnahmenbeschreibung:   Anstelle des kanalartigen Gewässerbettes wurde ein ca. 1 km langer neuer mäandrierender Bachlauf erstellt, der sich an dem Vorbild der historischen Karte von 1781 orientiert. Dreiviertel des neuen Bachabschnittes wurden durch einen schon früher gepflanzten Erlenwald umgeleitet, um dort den Grundwasserspiegel anzuheben. In dem weiteren Viertel quert der Bach ein Wiesengelände. Dort wurde das Südufer mit Erlen bepflanzt und durch Zäune gegen die benachbarten Weiden abgegrenzt.

An der Grenze zwischen Wiese und Erlenwald wurde ein Wassererlebnisplatz eingerichtet. Kinder und Jugendliche können über Findlinge in das Bachbett gehen, das Leben im Gewässer beobachten und Proben entnehmen, ohne den Uferbewuchs zu zertreten. Dort wurden außerdem Bänke und Tische aufgestellt, um die Gewässertiere mit Lupen und Binokularen genauer untersuchen zu können. Auf einer Informationstafel sind die wichtigsten Wasserorganismen erläutert. Der Platz dient Schulklassen zu Gewässeruntersuchungen.

In mehreren Arbeitseinsätzen wurden von Bürgern Bäume gepflanzt. Steine wurden in den Bachgrund eingebracht, so dass ein naturnaher Gewässergrund geschaffen wurde, wie er für die kiesgeprägten Bäche dieses Naturraumes typisch ist. An insgesamt drei Plätzen am Bach wurden Bänke und Informationstafeln aufgestellt.

     
Projekthintergrund/-anlass:   Der Reiz eines Projektes, in dem Hochwasserschutz, Naturschutz, Naturerlebnispädagogik und soziales Miteinander kombiniert werden können.

Anlass des Projektes war das Hochwasserereignis 2002. Es erhöhte die Akzeptanz der Renaturierung bei den Anliegern und die Bereitschaft von Politik und Verwaltung, hier tätig zu werden. Der Ortsverein des BUND ergriff zunächst die Initiative.

Ökologische Aspekte:  
  1. Der neue Bach hat gegenüber dem alten Verlauf eine naturnahe Gewässerstruktur (Mäander).
  2. Der Bach erhielt Raum, in dessen Grenzen er sichtbar seinen Verlauf durch Erosion und Akkumulation verändert, vor allem im Bereich des Erlenwaldes. Er zeigt also wieder eine natürliche Gewässerdynamik.
  3. Unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten sorgen für Sauerstoffeintrag. Der Wechsel des Bodensubstrats zwischen Kies, Sand und Ton ist Voraussetzung unterschiedlicher Habitate, die den natürlichen Biozönosen Entwicklungsraum bieten.
  4. Der Bach entwickelt eine artenreiche Flora und Fauna. Die Ansiedlung von Steinfliegenlarven wurde inzwischen nachgewiesen.
  5. Der Grundwasserspiegel im Erlenwald wurde erhöht. Die dort vorhandenen Tümpel in Bachnähe trocknen nicht mehr aus und bieten den amphibischen Organismen Lebensraum.
Ökonomische Aspekte:   Die Renaturierung hat Auswirkungen auf die Wasserrückhaltung. Andere kostenträchtige Maßnahmen zum vorbeugenden Hochwasserschutz können reduziert werden.

Eine große Beteiligung aus der Bürgerschaft für die Renaturierung erbrachte ein Spendenaufgebot in Höhe von 15.000 €. Hierüber konnte ein Teil der Maßnahmen finanziert werden.

Die neue Akzeptanz bewahrt die Verwaltung vor weiteren kostenträchtigen Maßnahmen zum Hochwasserschutz.

Soziale Aspekte:  
  1. Die Maßnahme fand Unterstützung und hohe Anteilnahme durch die Bevölkerung. Dies zeigte sich
    a) in 140 Zeitungsartikeln (in vier Jahren),
    b) in über 300 Teilnehmern an naturkundlichen Exkursionen im Tal,
    c) in ca. 1000 Teilnehmern am Mühlenriedefest,
    d) an zwei Schulklassen, die Bachpatenschaften übernommen haben
    e) darin, dass die Anlieger eine hohe Identifikation zeigen.
  2. Der Gewässeruntersuchungsplatz hat einen hohen Erlebniswert für spielende Kinder. Sieben Schulklassen wurden dort schon im ersten Jahr betreut. Der Bach wurde zum Erholungsort für Spaziergänger.
  3. Die Maßnahme ist ein positives Beispiel der Zusammenarbeit von Verwaltung und einem Naturschutzverband und belegt die Partizipation von Bürgern.
Internetseite/n:   http://www.wolfsburg.bund.net -> Aktiv werden
     
Ansprechpartner:   Stadt Wolfsburg (City of Wolfsburg)
Herr Dr. Horst Farny 
Postfach 10 09 44
38409 Wolfsburg

Telefon: +49 (0)5361 / 282579
Telefax: +49 (0)5361 / 281877

E-Mail: dr.h.farny@stadt.wolfsburg.de




Bürger beraten über die Renaturierung Der frühere kanalartige Ausbauzustand der Mühlenriede


Der Renaturierungsplan (für größere Ansicht in das Bild klicken)

Ein neues Bachbett im Erlenwald