Renaturierung des Flusses Ruhr auf »Mengen Wiese« in Arnsberg

Kategorie:  
  • abgeschlossene Maßnahme
Dauer:   2002 - 2004 (3 Jahre)
Regionale Zuordnung:    
Land:   Germany / Deutschland (Nordrhein-Westfalen)
Region:   Sauerland
Nächstgelegene Stadt:   Arnsberg
Ort:   Arnsberg
Beteiligte:  
  • Bezirksregierung Arnsberg
  • Staatliches Umweltamt Lippstadt
  • Hochsauerlandkreis
  • Angelverein "Ruhrwellen"
  • Anwohner
  • Umweltbüro der Stadt Arnsberg
Kosten:   599.635 €
Thema:
 
  • Gewässergüte (quality of waters)
  • Gewässerstruktur (structure of waters)
  • Hochwasser (flood risk)
  • Naturschutz (nature conservation)
  • Sonstiges (other)
  • Tourismus/Naherholung (tourism/local recreation)
  • Öffentlichkeitsarbeit/-beteiligung (public relations work)
  • den Fluss der Bevölkerung näher bringen
Ziele:   Die Stadt Arnsberg strebt die ökologische Verbesserung und Durchgängigkeit der Ruhr und ihrer Nebengewässer im Stadtgebiet an. Dabei soll der Hochwasserschutz verbessert werden.

Die Renaturierungsstrecke liegt in Alt-Arnsberg in direkter Siedlungsnähe. Die Ruhr ist aufgrund der Uferbefestigungen und des angrenzenden Bewuchses für die Bevölkerung kaum mehr erlebbar und wird daher auch als stadtbildprägendes Element kaum wahrgenommen.

Neben der ökologischen Aufwertung der Ruhr und der Verbesserung des Hochwasserschutzes steht an dieser Stelle das Erlebbarmachen des Flusses für den Stadtmenschen im Vordergrund.
     
Maßnahmenbeschreibung:   Auf einer an den Fluss angrenzenden Wiesenfläche ("Mengen Wiese") wurde die Anlage einer dauerhaft durchströmten Flussschleife als Verzweigungsstrecke geplant. Der Fluss wird auf einer Länge von ca. 230 m und einer mittleren Breite von 10-20 m nicht mehr in stark verbauten Ufern geführt. Er kann im vorhandenen Gelände bis zu einem gewissen Grade arbeiten. Versteckte Sicherungsmaßnahmen, sogenannte "schlafende Buhnen", sorgen jedoch dafür, dass insbesondere bei Hochwasser ein unkontrolliertes Abschwemmen von Uferbereichen unterbleibt.

Entsprechend dem Leitbild "schottergeprägter Fluss des Grundgebirges" wurde das rechte Ufer sehr flach und in variablen Neigungen mit Flussschotter ausgebildet. Dort besteht die Möglichkeit für die Bevölkerung, direkt ans Gewässer zu gelangen.

Im Rahmen der Maßnahme wurden rund 12.000 m³ Bodenaushub entfernt. Dieser konnte sinnvoll zur Erhöhung eines Lärmschutzwalles an der A 46 im Stadtgebiet von Arnsberg eingesetzt werden.

Die Planung wurde unter intensiver Beteiligung der Anwohner und des betroffenen Angelvereines (2 Workshops) durchgeführt, um die Belange dieser Gruppen mit einfließen zu lassen und eine möglichst hohe Akzeptanz zu erreichen.

Durch die Aufweitung des Abflussquerschnittes kommt es zu einer merklichen Reduzierung der Hochwasserstände (um 15-20 cm) in diesem Bereich.
     
Projekthintergrund/-anlass:
  Die dargestellte Maßnahme ist als Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der EU zur Erreichung des "guten ökologischen Zustandes" der Ruhr zu sehen.

Durch Begradigungen, Verlegung, Nutzung als Antrieb für Wasserkraftanlagen, Verbau der Ufer und Siedlung stellenweise bis fast direkt an die Ufer, sind Strukturen geschaffen worden, die eine Eigendynamik dieses Mittelgebirgsflusses verhindern. Die Auen, soweit noch vorhanden, sind von dem tief ins Gelände eingeschnittenen Flussbett abgeschnitten und entwertet. Die Ruhr in diesem Flussabschnitt ist der Äschenregion zuzuordnen.

Basis für die dargestellte Renaturierung ist das "Konzept zur naturnahen Entwicklung der oberen Ruhr". In diesem Konzept sind auch für das Stadtgebiet Arnsbergs verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, die eine Durchgängigkeit des Flusses für Fische und andere Lebewesen nach sich ziehen sollen und für eine ökologische Verbesserung des Gewässers und seiner angrenzenden Bereiche stehen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen dieses Konzeptes orientieren sich an Leitbildern weitgehend natürlicher Flusslandschaften des Mittelgebirges.
Ökologische Aspekte:
 
  • Eigendynamik des Gewässers fördern
  • ökologischen Zustand und die Strukturvielfalt verbessern
Ökonomische Aspekte:
  Der bei der Renaturierung anfallende Bodenaushub wurde zur Erhöhung eines Lärmschutzwalles an der Autobahn A 46 verwandt. Dadurch konnten die Kosten für beide Maßnahmen reduziert werden.
     
Soziale Aspekte:
  Die Bürger Arnsbergs erkennen und erleben den Fluss als Bestandteil ihrer Stadt. Er dient an dieser Stelle auch kulturellen Interessen und als Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen. Durch die Erhöhung des Lärmschutzwalles sind die Wohnverhältnisse in der angrenzenden Bebauung wesentlich verbessert worden.
     
Internetseite/n:   www.arnsberg.de/umwelt
     
Ansprechpartner:   Stadt Arnsberg - Umweltbüro (Environmental Agency of the City of Arnsberg)
Herr Dr. Gotthard Scheja 
Rathausplatz 1
59759 Arnsberg

Telefon: +49 (0)2932 / 201 1632
Telefax: +49 (0)2932 / 201 1817

E-Mail: g.scheja@arnsberg.de


 

"Mengen Wiese" vor den Baumaßnahmen im Juni 2004 Die Renaturierung wird zur Ausstellung während des Arnsberg Kunstsommers genutzt.

Innerstädtisches Verzweigungsgerinne bringt den Fluss dem Bürger näher (Aufnahme vom Luftsport-Club Arnsberg, Herr Gieseke)


  Der Ausschnitt aus dem "naturnahen Entwicklungskonzept der oberen Ruhr" für die Ruhrschleife in Arnsberg verdeutlicht die vorgeschlagenen Maßnahmen.
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