Projekt »StadtGewässer« Freiburg

Zusammenfassung:
Im Rahmen des Freiburger Projekts Stadtgewässer wurde untersucht, inwieweit und auf welche Weise eine frühzeitige Einbindung von Bürgern bei der Planung von Gewässerentwicklungsmaßnahmen im urbanen Raum sinnvoll und realisierbar ist. Zu diesem Zweck wurde im November 2002 mit dem Projekt StadtGewässer ein partizipatives Planungsverfahren für den Gewerbekanal und den Glasbach in Freiburg initiiert. Das Beteiligungsprojekt wurde von Mitarbeitern der Universität Freiburg, darunter der Autor der vorliegenden Arbeit, organisiert.

In der Vorbereitungsphase wurde eine Projektgruppe gebildet und eine Situations- und Zielgruppenanalyse durchgeführt. Diese zeigten, dass eine Vielzahl von Zielgruppen eingebunden werden musste und dass der Informationsbedarf bezüglich der Gewässer vor allem bei den Bürgern sehr hoch war. Um die Zielgruppen zu informieren und für die Mitarbeit zu gewinnen, betrieb die Projektgruppe eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Besonders effektiv waren persönliche Gespräche, individuelle Anschreiben, Informationsveranstaltungen, ausgefallene Werbeaktionen sowie die kontinuierliche Pressearbeit.


Werbeaktion mit Maskottchen
 
Den Auftakt des Partizipationsprozesses bildete ein eintägiger Bürgerworkshop im November 2002. Mehr als 40 Teilnehmer diskutierten Konfliktfelder sowie Defizite und Gestaltungspotenziale am Gewerbekanals und Glasbach. Hierbei legten sie auch Rahmenbedingungen und Spielregeln für den Prozess fest. Darüber hinaus erarbeiteten die Teilnehmer in drei Arbeitsgruppen erste Visionen und Ideen zur ökologischen und gestalterischen Aufwertung der beiden Gewässer.

Infostand am Glasbach

Schulprojekt

 

Der Glasbach

 
Diese Ideen und Visionen wurden in einer neunmonatigen Arbeitsphase von den drei Bürgerarbeitsgruppen weiter ausgearbeitet. Die Akteure trafen sich hierzu acht- bis zehnmal. Die zwei- bis dreistündigen Treffen hatten den Charakter einer Planungswerkstatt und wurden von Projektmitarbeitern vorbereitet bzw. moderiert und von einzelnen Fachleuten der städtischen Behörden begleitet. Außer den Bürgergruppen beteiligten sich zudem eine private Bauherrengruppe, eine Schulklasse sowie mehrere studentische Arbeitsgruppen. Insgesamt waren es etwa aktive 80 Akteure. In der Abschlussphase im Juli 2003 wurden die Ideen und Gestaltungsvorschläge aller Teilnehmer im Rahmen einer festlichen Veranstaltung der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt und in Form eines umfangreichen Berichts an die Stadtverwaltung übergeben. Einzelne Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. So wurde von einer privaten Bauherrengruppe ein Aufenthaltsbereich mit Sitzstufen am Gewerbekanal geschaffen. Auch ein Historischer Erlebnispfad wurde im Internet realisiert (www.bachabschlag.de).
 
     
   
Arbeitsgruppen bei Planungswerkstatt und Bürgerworkshop    
     

Mitarbeiter der Projektgruppe evaluierten den Ablauf und die Ergebnisse des Partizipationsverfahrens im Sinne der Aktionsforschung. Hierzu wurden Leitfadeninterviews durchgeführt und Interaktionen der Akteure mittels teilnehmender Beobachtung analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass beim Projekt StadtGewässer für Beteiligungsverfahren charakteristische Probleme auftraten: So nahmen trotz intensiver Öffentlichkeitsarbeit nur vergleichsweise wenige Bürger am Verfahren teil. Sozial benachteiligte Gruppen, ältere Menschen sowie Kinder und Jugendliche waren unterrepräsentiert. Bürger mit fachlichem Hintergrund waren hingegen überdurchschnittlich stark vertreten. Sie dominierten vielfach die Arbeit in den Gruppen, waren jedoch auch treibende Kräfte im Prozess. Behördenvertreter beteiligten sich nur in geringem Umfang, wohl aus Zeitgründen, aber auch auf Grund von Desinteresse. Die Zusammenarbeit mit den Freiburger Ämtern gestaltete sich entsprechend schwierig. In den Arbeitsgruppen kam es anfangs, insbesondere zwischen Bürgern und Behördenvertretern, zu Spannungen. Dank der Moderationsmethode konnte jedoch sukzessive ein Ausgleich zwischen einzelnen Interessen und eine konstruktive Arbeitsatmosphäre geschaffen werden. Dennoch kam es, bedingt durch den Zeitmangel bei den Akteuren, zu einer erheblichen Fluktuation bei den Teilnehmern.

Trotz dieser Schwierigkeiten haben sich der partizipative Planungsansatz des Projekts StadtGewässer und die Kombination von Workshop und Planungswerkstatt gut bewährt. Die im Rahmen der Gewässerbewertung identifizierten Entwicklungspotenziale wurden von den Bürgern vielfach aufgegriffen und es wurden differenzierte und vielseitige Gestaltungsvorschläge erarbeitet. Der Ablauf und die Ergebnisse des Beteiligungsverfahrens wurden von den meisten Akteuren sehr gelobt. Anzahl und Qualität der Planungsergebnisse sprechen deutlich für den Erfolg des Projekts. Darüber hinaus konnten die Akteure, die Verwaltung und Teile der Freiburger Öffentlichkeit für die Belange der Gewässer sensibilisiert werden.

Die Ergebnisse des Projekts StadtGewässer zeigen, dass die von der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderte Einbindung der Öffentlichkeit sinnvoll und effektiv sein kann. Vorrausetzung hierfür ist jedoch eine frühzeitige und ergebnisoffene Beteiligung, welche den vielfältigen Nutzungsansprüchen am Gewässer Raum lässt.

 
Der Gewerbekanal
Gestaltungsvorschlag für den Gewerbekanal am Uni-Campus (für größere Ansicht in das Bild klicken)
   
Gebiet:
Städtische Gewässer in Freiburg im Breisgau

Anlass:
Forschungsprojekt am Institut für Landespflege, gefördert durch die Stiftung Umwelt der Baden-Württembergischen Landesbank LBBW und durch die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg
 
Ziele:
Entwicklung von Gestaltungs- und Entwicklungsvorschlägen für urbane Gewässer
     
Akteure:
Freiburger Bürger, Uni Freiburg, LA 21, Tiefbauamt Freiburg
 
Ablauf:
9-monatiger Beteiligungsprozess von Nov. 2002-Juli 2003: Auftaktworkshop, Arbeitsphase mit mehrerer Arbeitsgruppen und ca. 80 Akteuren (2-3-wöchige Treffen), feierliche Abschlussveranstaltung mit Präsentation der Arbeitsergebnisse und Übergabe an die Stadtverwaltung, Abschlussbericht (60 Seiten)
 
PR:
Presse, Internet, Infostände, Flyer, Werbeaktionen, Abschlussbericht (siehe Internetadresse)

   
Werbeaktion
   
     
Ergebnisse:
   
ca. 50 Gestaltungsvorschlage für ca. 30 Gewässerabschnitte, zudem Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Stadtverwaltung.
Gestaltungsvorschlag am Geländer

Gestaltungsvorschlag für ein Wasserrad

Aufenthaltsbereich am Gewerbekanal
 
Kosten:
Fördersumme der Stiftungen: 36.000 € für Projektmanagement und Organisation (ohne Maßnahmenumsetzung), ca. 3000 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden der Bürger
 
Bewertung:
positives Beispiel für Bürgerbeteiligung bei der städtischen Gewässerplanung
 
Kontakt:

Naturpark Spessart
Dr. Oliver Kaiser 
Frankfurter Str. 4
97737 Gemünden am Main


E-Mail: oliver.kaiser@naturpark-spessart.de



 
Links / Literatur:
  • dort auch Literaturhinweise