Modellprojekt Hamel - Vorgezogenes Projekt zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie

Gebiet:
Die Hamel ist ein Fluss im niedersächsischen Weserbergland. Nach etwa 27 km mündet sie bei Hameln in die Weser. Das Bearbeitungsgebiet des Modellprojekts umfasst das Hameleinzugsgebiet mit einer Fläche von etwa 207 km². Der Landschaftsraum Weserbergeland ist seit Jahrhunderten bevorzugtes Siedlungsgebiet, entsprechend wurde die Hamel im Laufe der Zeit stark durch anthropogene Einflüssen geprägt. Zu großen Teilen wird das Einzugsgebiet der Hamel intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Die Hamel zeichnet sich durch einen Wechsel von begradigten und naturnäheren Abschnitten aus. Abschnittweise kommen in der Hamel intakte Kiesbänke vor, so dass die Hamel als eines von wenigen potenziellen Lachslaichgewässern im Bereich der Mittelweser identifiziert worden ist.


Anlass:
In der vorläufigen Bewertung hinsichtlich der Zielerreichung der EG-WRRL wurde die Hamel in die Stufe "Zielerreichung unklar" eingestuft. Aufgrund der in einigen Abschnitten bestehenden Naturnähe und der potenziellen Eignung als Lachslaichgewässer entschlossen sich der zuständige Unterhaltungsverband sowie die Gemeinden im Hameleinzugsgebiet, ein Modellprojekt zur modellhaften Umsetzung der EG-WRRL zu etablieren. Ein großer Stellenwert wird in dem vom Niedersächsischen Umweltministerium geförderten Projekt der Öffentlichkeitsbeteiligung gemäß Artikel 14 der WRRL eingeräumt.
 
Ziele:
Die Ziele des Modellvorhabens sind es,
  • Wege zur Erreichung des guten Zustandes der Hamel auf lokaler Ebene aufzuzeigen und beispielhaft Maßnahmen durchzuführen,
  • die Gewässernutzer frühzeitig einzubeziehen und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und
  • den Planungs- und Umsetzungsprozess transparent zu gestalten und somit die Akzeptanz von Maßnahmen zu erhöhen.

Vom Grundsatz her ist das Modellvorhaben Hamel kooperativ und konsensorientiert angelegt. Die Durchführung von Maßnahmen am Gewässer und im Einzugsgebiet ist freiwillig. Damit soll beispielhaft versucht werden, den Menschen vor Ort bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ein hohes Maß an Gestaltungsraum zu verschaffen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur konzentrieren sich derzeit noch vorwiegend auf den Hamelverlauf und deren Auenbereiche, jedoch werden bereits auch einzelne Maßnahmen an den Nebengewässern der Hamel geplant.

Aufgrund der intensiv betriebenen Landwirtschaft auf Böden mit einer überwiegend hohen natürlichen Erosionsanfälligkeit gelangen große Mengen an Feststoffen in die Hamel, die die Funktionsfähigkeit der Kiesareale als Laichhabitate stark beeinträchtigen. In der Reduzierung der Festoffeinträge wird ein wesentlicher Schritt zum Erreichen des guten Zustands und somit ein weiteres Ziel des Projekts gesehen. Betrachtungsgebiet hierfür ist das gesamte Hameleinzugsgebiet.

     
Akteure:
Träger sind der Unterhaltungsverband Ilse-Hamel, der Landkreis Hameln-Pyrmont, die Städte Hameln und Bad Münder am Deister und der Flecken Coppenbrügge. Organisiert und moderiert wird das Projekt von der GEUM.tec GmbH aus Hannover. Das Projekt wird fachlich begleitet vom NLWKN und der Landwirtschaftskammer Hannover.
 
Zielgruppe:
Gesamte Bevölkerung im Einzugsgebiet, Vertreter der lokalen Fachbehörden, die Gewässernutzer, Landwirte und Vertreter des ehrenamtlichen Naturschutzes.
 
Ablauf:
Die Öffentlichkeit wird durch die Arbeit in Arbeitsgruppen eingebunden, in der Vorschläge für die Planung von Maßnahmen erarbeitet werden. Sie steht allen Interessierten offen.

Die Projektsteuerung erfolgt durch die Lenkungsgruppe, die aus Vertretern der Vorhabensträger (Fachbehörden und Unterhaltungsverband), der GEUM.tec GmbH und des NLWKN besteht und darüber entscheidet, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.

Zudem bestehen Nutzergruppen (Nutzgruppen "Landwirtschaft", "Fischerei", "Naturschutz"), in denen fachspezifische Problemstellungen diskutiert und nach Lösungsansätzen gesucht werden.

Die Gruppen treffen sich durchschnittlich alle ein bis zwei Monate in unregelmäßigen Abständen je nach Bedarf bzw. Arbeitsfortschritt.

     
PR:    
  • Präsentation des Modellprojekts bei Fachtagungen (Vorträge und Poster)
  • Infobroschüre "Modellprojekt Hamel"
  • Infoveranstaltungen
  • Berichterstattung in der lokalen Presse und im lokalen Radiosender
  • Projekthomepage
  • "Tag der Hamel" am 16.06.2007
  • gezielte Information der Schulen
  • Plakate im Einzugsgebiet
Ergebnisse:
In Zusammenarbeit mit Lenkungs-, Arbeits- und Nutzergruppe wurden zahlreiche Maßnahmenvorschläge zu Verbesserung des Zustands der Hamel erarbeitet. Die Maßnahmen reichen von wenig kostenintensiven Maßnahmen, die zum Teil in Eigenarbeit der Öffentlichkeit umgesetzt wurden (z.B. Umbau eines Sohlabsturzes in eine raue Rampe) bis zu einer Verlegung der Hamel auf einer Länge von mehr als 650 Metern.
 
Kosten:
Das Projekt und die Umsetzung von Maßnahmen werden vom Niedersächsischen Umweltministerium gefördert. Geplante Maßnahmen müssen mit einem Eigenanteil kofinanziert werden.
 
Bewertung:
Die Aufteilung in fachübergreifende und fachspezifische Gruppen hat sich als gut geeignet erwiesen. Insgesamt werden das Modellprojekt und der Planungsprozess von den teilnehmenden Akteuren als positiv gesehen. Die Planung und auch die Umsetzung von Maßnahmen werden von den Teilnehmern der verschiedenen Gruppen mit großem Engagement begleitet.
 
Kontakt:    

GEUM.tec GmbH
Freiligrathstraße 7
30171 Hannover


E-Mail: geum@geum.de
Internet: www.geum.de


 
Links / Literatur: