Lebendige Hase - Proaktive Konfliktlösung und Kooperationsaufbau bei der Revitalisierung urbaner Fließgewässer am Beispiel der Hase in der Stadt Osnabrück

Zusammenfassung:
Das langfristig angelegte Revitalisierungsprojekt "Lebendige Hase" muss sich mit vielfältigen konkurrierenden Ansprüchen an der Hase als Lebensraum für Mensch und Natur auseinandersetzen. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstütztes Modellprojekt erprobt am Osnabrücker Fall, wie durch die Zusammenarbeit zwischen den vielfältigen, betroffenen Interessen und die Einwerbung bürgerschaftlichen Engagements eine umfassende und langfristige Revitalisierung vorangetrieben werden kann. Gegenstand des hier beschriebenen Projektes war es, durch kommunikative Maßnahmen zur Verbindung der – immer wieder konfliktträchtigen – Themen ökologische Entwicklung und Urbanität in einer Gewässerrevitalisierung bei zu tragen. Durch die Kommunikationsarbeit des Projektes konnten Vorarbeiten geleistet werden für ein von den Akteuren aus Interessengruppen und Fachverwaltungen und den an dem Gesamtprojekt engagierten Bürgern und Bürgerinnen akzeptiertes und getragenes Entwicklungskonzept der "Lebendigen Hase".
 
Gebiet:
Stadt Osnabrück
Die Hase
     
Anlass:
Der Stadtfluss Hase in Osnabrück wird seit 1993 schrittweise als natürlicher, geschichtlicher und städtebaulicher Raum revitalisiert. Die Stadt Osnabrück verfolgt in diesem Zusammenhang das Ziel der ökologischen Aufwertung und insbesondere der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit des Flusses, der die Stadt auf einer Länge von ca. 16 Kilometer durchläuft. Das langfristig angelegte Revitalisierungsvorhaben "Lebendige Hase" muss sich mit vielfältigen konkurrierenden Ansprüchen an die fraglichen Flächen auseinandersetzen. Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit stellte sich die Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen des Naturschutzes, des Freizeitsports, der Wasserkraftnutzung und des Denkmalschutzes miteinander zu verbinden.

Weitere Motive für die Revitalisierung des Gewässers liefert das Potenzial für die innenstadtnahe Erholung und die historische Bedeutung der Hase für die Entstehung und Entwicklung der Stadt. Die Hase soll deshalb als Freizeit- und Erlebnisraum für die Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger, als stadtgeschichtlicher und als städtebaulicher Raum und auch als unverwechselbares Markenzeichen der "Hase-Stadt" für das Stadtmarketing erlebbar und nutzbar sein. Darüber hinaus ist das Revitalisierungsvorhaben in Verbindung mit Aufwertungsmaßnahmen am Ober- und Unterlauf und an den Nebengewässern der Hase zu sehen, an denen sich auch die Stadt Osnabrück beteiligt und hierfür gezielt mit weiteren Gebietskörperschaften und Verbänden zusammenarbeitet.

 
Ziele:
  • Klärung und wechselseitiges Verständnis der unterschiedlichen mit der Revitalisierung der Hase verbundenen Interessenlagen,
  • Aufbau von Zusammenarbeit zwischen bislang nicht kooperierenden Akteuren,
  • Konfliktlösung und Interessenausgleich zwischen konträren Interessen,
  • Kommunizierung der Gemeinwohlinteressen an der Hase-Revitalisierung,
  • Information der Bürger bzw. bestimmter Bürgergruppen über das Projekt
  • Profilierung und Positionierung des Gesamtprojektes bei potenziellen Geldgebern und
  • Mobilisierung von nachhaltigem bürgerschaftlichem Engagement.
Akteure:
Projektleitung: Fachdienststellen in der Stadtverwaltung

Zielgruppen: Unterhaltungsverband, Kanuverband, Anglervereinigung, Naturschutzverbände, Schulen, Geschäftsinhaber, Lokale Agenda, Kirchen, "Hasepaten"

 
Ablauf:
Januar 2005 – Mai 2005 Vorphase
  • Hintergrundgespräche mit Akteuren
  • Information örtlicher Entscheider und Meinungsbildner über das Projekt
  • Gründung einer Arbeitsgruppe der Verwaltung, Dezember 2004
  • Konstituierung der "Hase-Paten", Februar 2005
  • Erste Fachtagung
  • Eingrenzung der Themenkomplexe für die Hauptphase


Juni 2005 – Dezember 2006 Hauptphase

  • Workshops zum Thema "Wasserkraft contra Naturschutz" zur Vorbereitung einer Entscheidungsfindung
  • Gründung eines Netzwerks "Schulen für eine Lebendige Hase"
  • Erarbeitung von Konzepten für einen durchgehenden Haseuferweg / Initiierung eines landschaftsplanerischen Wettbewerbs
  • Kontinuierliche Beteiligung der "Hase-Paten" und der AG Verwaltung
  • Zweite Fachtagung
     
Öffentlichkeitsarbeit:    
Events, Aktionen und Kultur: Teilnahme an 3 Bürgerfesten, 1 Fahrradtour, Kanu- und Paddeltouren durch die Innenstadt, Teilnahme an Int. Tag des Wassers, Musik und Geschichten zur Hase – begleitende Öffentlichkeitsarbeit mit Flyern und Plakaten

Presse und Hörfunk: Intensive Medienarbeit zu dafür geeigneten Anlässen, mehrere Sendungen im Lokalsender "OS-Radio"

Website: Start Dez. 2005, regelmäßige Aktualisierung, ca. 250 Artikel: Fakten, Geschichten, Veranstaltungshinweise, Pressearchiv, Kommentarfunktion, Newsletter (im Aufbau) Rss-Feed

Überregionale Fachtagungen

  • "Entdecken! Nicht verstecken! - Revitalisierung von Gewässern im urbanen Bereich" am 18. März 2005
  • Netzwerktagung "Lebendige Gewässer im städtischen Raum" am 30. und 31. Oktober 2006 mit Gründung des "Netzwerk für lebendige Gewässer im urbanen Bereich"
Wasserzeichen
 
Ergebnisse:
Im Rahmen des hier beschriebene Projektes wurde ein Kommunikationsprozess konzipiert und erprobt, der dazu diente, das Ziel der ökologischen Entwicklung der Hase konstruktiv mit anderen Entwicklungszielen zu verbinden, die sich aus den vielfältigen Nutzungen und Interessen an einem Stadtfluss ergeben. Das Projekt konzentrierte sich auf drei Themenkomplexe, mit denen etwa einhundertfünfzig Akteure aus der Osnabrücker Bürgerschaft, Politik und Verwaltung aktiv in das Thema Revitalisierung einbezogen werden konnten:
  • Vereinbarkeit von Wasserkrafterzeugung und Durchgängigkeit: "Wasserkraft contra Naturschutz?"
  • Lebendige Umweltbildung im Schulnetzwerk: "Netzwerk Schulen für eine lebendige Hase"
  • Revitalisierung im verdichteten Innenstadtbereich: An der Hase entlang ins Zentrum

Die Kommunikationsziele konnten aus Sicht der Projektleitung und des Projektbüros erfolgreich praktisch umgesetzt werden:

  • Die Klärung und ein wechselseitiges Verständnis sowie Ansätze zur Konfliktlösung zwischen unterschiedlichen mit der Revitalisierung der Hase verbundenen Interessenlagen, insbesondere zur Entwicklung an der Pernickelmühle und am innerstädtischen Haseuferweg.
  • Der Aufbau von Zusammenarbeit zwischen bislang nicht kooperierenden Akteuren, insbesondere in den Bereichen Umweltbildung, bürgerschaftliches Engagement, Durchgängigkeit des Flusses für Mensch und Natur sowie durch eine intensivierte Koordination zum Haseuferweg innerhalb der städtischen Verwaltung.
  • Die Information der Bürger über die Entwicklungsaufgabe Haserevitalisierung, insbesondere durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe der Presse, einer Projektwebsite, von Events und Tagungen.
  • Die Profilierung und Positionierung des Gesamtprojektes bei potenziellen Geldgebern, insbesondere durch die Vorbereitung der Einwerbung von Landesmitteln, durch die Gewinnung von örtlichen Sponsoren für ein schulisches Umweltbildungsnetzwerk und durch die Vorbereitung der konkreten politischen Entscheidung über einen innerstädtischen Lückenschluss des Haseuferwegs.
  • Die Mobilisierung von nachhaltigem bürgerschaftlichem Engagement gelang im Zusammenhang mit allen behandelten Schwerpunktthemen
Kosten:
ca. 250.000 €, 50% Fördermittel der DBU, 50% Eigenanteil der Stadt (im Wesentlichen erbracht durch Leistungen des vorhandenen Personals)
 
Bewertung:
Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Projektes lag in der möglichst frühzeitigen Ansprache aller relevanten Akteure, einer transparenten Dokumentation der Ergebnisse und der Bereitstellung regelmäßiger Information für alle Interessierten.

Die Aktivitäten des Projektes, insbesondere die Intensivierung der Kooperation Naturschutz – Kanusport haben einen Beitrag zur Vorbereitung der Umsetzung von Maßnahmen zur ökologischen Durchgängigkeit und damit einen Beitrag im Rahmen der Umsetzung der Zielsetzung der WRRL für die Hase geleistet.

Mit dem durch das Projekt aufgebauten Kontaktnetzwerk der an der Hase interessierten Akteure und den praxisbezogenen konzeptionellen Ergebnissen der bisherigen Arbeitsschritte konnte eine gute Grundlage aufgebaut werden, auf der ein Gesamtentwicklungskonzept für die Hase gezielt angegangen werden kann.

 
Kontakt:    

Stadt Osnabrück - Fachbereich Umwelt
Frau Christiane Balks 
Natruper-Tor-Wall
49074 Osnabrück
oder
Postfach 4460
49034 Osnabrück

Telefon: 0541 / 323-3162
Telefax: 0541 / 323-15-3162

E-Mail: balks@osnabrueck.de


 
Links / Literatur:
 
Einen weiteren Steckbrief zu diesem Projekt finden Sie >> hier.