WIESIONEN - Für eine neue Lebensgemeinschaft zwischen der Stadt Lörrach und ihrem Fluss Wiese

Zusammenfassung:
Das Projekt WIESIONEN wurde ausschließlich von Privatpersonen in ehrenamtlicher Arbeit entwickelt. Dabei erfuhren sie breite Unterstützung von der ehemaligen Gewässerdirektion Südlicher Oberrhein, heute Regierungspräsidium Freiburg. Sie suchte und fand außerdem Partner, die sich nach dem win-win-Prinzip auch jenseits von Natur- und Landschaftsschutz in dem Projekt wieder finden konnten. Dafür wurden die Renaturierungsmaßnahmen der verschiedenen Teilprojekte jeweils mit einem städtebaulichen, einem sozialen, einem kommunikativen oder imagebildenden Mehrwert verknüpft. Im Ergebnis wurde erreicht, dass Umwelt- und Naturschützer einerseits akzeptierten, dass Fließgewässer im urbanen Raum über ihre ökologische Funktion hinaus auch den Nutzungsansprüchen der Menschen dienen müssen. Andererseits wurde in Bevölkerungsgruppen, die sicher eher wenig mit Umweltthemen beschäftigen, Verständnis für die komplexen Zusammenhänge im Ökosystem Fluss geweckt. Das daraus resultierende bürgerschaftliche Engagement ist einer der tragenden Säulen des Projekts WIESIONEN.
 
Gebiet:
Die Wiese ist ein Mittelgebirgsfluss in der südwestlichsten Ecke Deutschlands und mündet bei Basel in den Rhein. Sie war ursprünglich ein frei strömender Fluss mit in einer sehr artenreichen Auenlandschaft. Bereits seit über 120 Jahre ist sie jedoch korrigiert und hart verbaut. Heute ist sie als monotoner Fluss ohne Beziehung zu seinem Umland nur von geringem ökologischem Wert und wurde in der BRD-Gewässerstrukturgütekartierung von 2001 als stark verändertes Gewässer in der schlechtesten Kategorie 7 eingestuft.

Ursprünglich hatte die Wiese für die Stadt Lörrach, durch welche sie als letzte auf deutschem Gebiet fließt, eine wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. Heute ist die Stadt durch eine Bundesstraße und größere, unattraktive Industriegebiete vom Fluss abgeschnitten. Das engere Projektgebiet von WIESIONEN umfasst rund zwei Flusskilometer und reicht von der Schweizer Grenze bis in Höhe der Stadtmitte von Lörrach.


   
Die Wiese im Dreiländereck
   
     
Anlass:
Die Idee WIESIONEN wurde von einem Lörracher Architekten im privaten Rahmen entwickelt und entstand in den Jahren 1999/2000 anlässlich des Jahrhunderthochwassers vom 20.02.1999, als die Wiese bei Maulburg oberhalb eines Wehrs ausgebrochen ist und sich ein Stück ihrer ehemaligen Aue zurückerobert hat. Eine vertiefende, interdisziplinäre Projektstudie im Auftrag der damaligen Gewässerdirektion Südlicher Oberrhein bestätigte 2002 die Vereinbarkeit der Projektidee mit den Belangen des Hochwasserschutzes.

2003 begann eine kleine private Arbeitsgruppe aus Architekten, Stadt- und Landschaftsplanern mit der systematischen Projektentwicklung: Ihr Ziel war, das Projekt im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern und die Finanzierung des Initialprojekts "Roßschwemme" sicherzustellen. Sie suchte und fand Partner, die sich nach dem win-win-Prinzip auch jenseits von Natur- und Umweltschutz auf besondere Weise in dem Projekt wiederfinden konnten.

Das Gesamtprojekt, nun unter dem Namen Wiesionen, wurde in mehrere räumlich und inhaltlich überschaubare Teilprojekte aufgegliedert. Der jeweilige städtebauliche, soziale, ökologische oder kommunikative Mehrwert wurde dabei besonders herausgearbeitet, um mit der Projektidee möglichst viele und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zu erreichen.

 
Ziele:
Das Projekt WIESIONEN ist inzwischen Bestandteil von grenzüberschreitenden ökologischen Aufwertungsprojekten in der Wieseebene. Es dient der der Aufwertung des Lebensraums Fluss für Natur UND Mensch. Im Einzelnen verfolgt WIESIONEN folgende Projektziele:
  • Zwischen den Hochwasserdämmen soll eine reduzierte Form der Auendynamik wiederbelebt werden. Wanderungshindernisse im Fluss sollen beseitigt und damit der Weg für die Rückkehr des Lachses und anderer Wanderfische in die Wiese geebnet werden.
  • An ausgewählten Stellen soll der Fluss wieder in das städtische Leben integriert werden. Die Verbindung von Umweltaspekten und urbanen Erfordernissen soll dabei eine breite Öffentlichkeit über die Landesgrenze hinweg für das Thema Gewässerrenaturierung sensibilisieren.
Akteure:
Projektträger: Bürgerstiftung Lörrach

Projektpartner:
  • Stadt Lörrach
  • Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland
  • Sozialer Arbeitskreis Lörrach e. V.
  • Regierungspräsidium Freiburg
Sonstige Beteiligte: Angelverein Dreiländereck Lörrach, mehrere Schulen, Museum am Burghof, Bewohner des Wohngebiets Stetten West

Schirmherrschaft: Tanja Gönner, Umweltministerin Baden Württemberg

Projektpaten:
  • Internationales Rheinkolleg
  • Bundespolizei, Zoll und Grenzwacht Schweiz
Ablauf:
  • Projektidee: 2000
  • Machbarkeitsstudie: 2002
  • Projektentwicklung: 2004 / 2005
  • Offizieller Projektbeginn: Juni 2006
  • Baubeginn am Teilprojekt Roßschwemme: Mai 2007
  • Fertigstellung der Baumaßnahme: Herbst 2007
In Vorbereitung:
  • Teilprojekt Lachs ohne Grenzen
  • Teilprojekt Wiesestrand:
  • Teilprojekt Am alten Weg
  • Trinationale Ausstellung "Alles im Fluss - Tout baigne" Wiese, Birs und Ill - Wiese, Birs et Ill vom 06.04. – 07.09.2008 im Museum am Burghof Lörrach
PR:    
Bei der Öffentlichkeitsarbeit wird auf Professionalität Wert gelegt. Auf eine einheitliche Gestaltung wird Wert gelegt:
  • Flyer zum Projekt und verschiedenen Einzelveranstaltungen
  • Homepage
  • Bauschilder
  • Bechergläser
  • Urkunde für Wiesemeter usw.

Urkunde für Wiesemeter
 
Allgemeine Pressearbeit:
  • Regelmäßige Berichterstattung in den lokalen Tageszeitungen
  • Gelegentliche Beiträge in der Basler Zeitung
  • Zu besonderen Anlässen Beiträge in der Basler Zeitung und im Südwestrundfunk.
Ergebnisse:
Das Projekt WIESIONEN ist in der Bevölkerung verankert. Die Resonanz ist auch außerhalb der natur- und umweltorientierten Vereine und Verbände ausgesprochen gut. Dementsprechend ist der Mittelzufluss über den Verkauf von symbolischen "Wiesemetern" zufrieden stellend.

Mit der Realisierung des Initialprojekts Roßschwemme wurde begonnen. Der Grundstein für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist gelegt. Der Austausch soll im weiteren Projektverlauf noch intensiviert werden.

Die stadträumliche Vernetzung von Stadt und Fluss ist auf einem guten Weg: Für die Verbindung zwischen Fluss und Stadtkern wird ein Masterplan erarbeitet. Ein Teilprojekt in Nachbarschaft zu einem verdichteten Wohngebiet wurde inzwischen zum ersten Baustein für eine umfassendere partizipatorische Quartiersarbeit.

 
Kosten:
WIESIONEN wird gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Die Private Kurt Lange Stiftung stellte einen größeren Betrag für den Umbau des Initialprojekts zur Verfügung. Über das Land Baden-Württemberg fließen dem Projekt Mittel zur Umgestaltung gemäß Wasserrahmenrichtlinie zu. Die Stadt Lörrach stellt Mittel aus dem Ökokonto bereit. Die weiteren Projektpartner schießen in kleinerem Umfang Eigenmittel zu. Die Bürgerstiftung hat außerdem eine Umweltaktie für jedermann, "den Wiesemeter", aufgelegt.
 
Bewertung:
Das Projekt WIESIONEN wird von einem externen, unabhängigen Beobachter, Dr. Daniel Rüetschi, GeoServe GmbH, Suhr (CH), dokumentiert. In einem ersten Zwischenbericht an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt bewertet er die bisher geleitete Arbeit folgendermaßen:

Von Seiten der Autoren der Projektdokumentation wird das Projekt bis jetzt als innovativ und wegweisend, sowie als gut durchdacht, sachlich richtig und sinnvoll organisiert beurteilt. Zurzeit sehen wir nur wenige kritische Punkte. Der Öffentlichkeitsarbeit wird großes Gewicht beigemessen und sie wird professionell ausgeführt. Die Ausrichtung der Etappen auf unterschiedliche Zielgruppen erhöht die politische und gesellschaftliche Akzeptanz. Dies sichert eine breite Finanzierung, die so erfolgreich ist, dass die bauliche Umsetzung des Projektes bereits fünf Jahre nach dessen privaten Initiierung begonnen hat. Eine weitergehende Beurteilung und Erfolgskontrolle kann erst nach dem Vorliegen erster Ergebnisse nach Abschluss der Bauarbeiten und des Biomonitorings gegeben werden.

 
Kontakt:    

Bürgerstiftung Lörrach
(Projektträger)
Rathausgasse 6
79540 Lörrach

Telefon: 07621 / 168 22 77

E-Mail: kontakt@buergerstiftung-loerrach.de


Stadtbau Lörrach
Frau Isolde Britz (Projektkoordination)
Schillerstraße 4
79539 Lörrach

Telefon: 07621 / 1519-82

E-Mail: isolde.britz@stadtbau-loerrach.de


   
     
Links / Literatur: