23.10.2018 - „Unterhaltung von Gewässern 3. Ordnung – fachlich gut, rechtssicher und flexibel?!" im Landkreis Heidekreis


Pechrennengraben

Exkursion

Manfred Tschöpe

O-Graben

Gewässerunterhaltung fachlich gut, rechtssicher und flexibel

Unter diesem Titel luden der Landkreis Heidekreis, der Dachverband Aller-Böhme, der Wasserverbandstag und die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N. am 23.10.2018 in die Räumlichkeiten des Hotel Hartmanns nach Wietzendorf ein.

Knapp 60 Teilnehmer, insbesondere von Unterhaltungs-, Wasser- und Bodenverbänden, Anliegern und Lohnunternehmern sowie von Kommunen, nahmen an der Veranstaltung teil, um sich einen Tag lang mit dem Thema „Schonende Unterhaltung von Gewässern 3. Ordnung“ zu beschäftigen.

Die Begrüßung erfolgte durch den ersten Kreisrat Oliver Schulze vom Landkreis Heidekreis. Herr von Geyso von der Unteren Wasserbehörde im Landkreis Heidekreis schloss sich an, ebenso wie Frau Dr. Katrin Flasche von der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N., die anschließend auch die Moderation übernahm.

Herausforderungen bei der Gewässerunterhaltung

Über den rechtlichen Rahmen der Gewässerunterhaltung informierte Herr Godehard Hennies vom Wasserverbandstag e. V. Es wurden sowohl die bundesrechtlichen Vorgaben des WHG als auch die landesrechtlichen Vorgaben des NWG beleuchtet und in Zusammenhang mit den Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie gesetzt. Zudem wurde auf die Vorgaben des Artenschutzes nach dem Bundesnaturschutzgesetz eingegangen und der Leitfaden „Artenschutz-Gewässerunterhaltung“ des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft- Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vorgestellt.

Herr Manfred Tschöpe vom Büro Projektberatung Umwelt und Nachhaltigkeit aus Hamburg zeigte in seinem Vortrag Möglichkeiten auf, neben der Abflusssicherung die Unterhaltung so zu gestalten, dass Naturräume geschaffen werden oder erhalten bleiben. Zudem betonte er die Bedeutung der Biodiversität, auch aus wirtschaftlicher Sichtweise und als Mehrwert für technische Blaupausen. Er ermutigte die Teilnehmer die Intensität von Unterhaltungsmaßnahmen langsam zurückzunehmen. Bei gleichzeitiger Beobachtung des Verhaltens der Gewässer kann sich dabei an das rechte Maß der Unterhaltung herangetastet werden. Um Erfahrungen zu sammeln sollte man dort beginnen, wo keine hydraulischen oder sonstigen Einwände vorliegen. Dies trifft erfahrungsgemäß auf ca. 10 % der Gewässer 3. Ordnung zu, berichtete Herr Tschöpe.

Es folgten regionale Statement-Geber, die ihre Sicht hinsichtlich schonender Gewässerunterhaltung darstellten.

Klaus Grünhagen vom Landvolk Niedersachsen Kreisverband Lüneburger Heide e. V. betonte, dass die Unterhaltung von Gräben historisch gesehen eine lange Tradition hat. Die Landwirtschaft unterstützt eine schonende Gewässerunterhaltung, jedoch müssen verschiedene Aspekte vereint werden. Vor allem dürfen die Funktion und der Funktionserhalt des Gewässers mit dem Blick auf die Flächenbewirtschaftung nicht gefährdet werden.

Herr Thomas Lucas vom Dachverband Aller-Böhme referierte über die schonende Gewässerunterhaltung aus Sicht der Unterhaltungsverbände im Spannungsfeld zwischen wasserwirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen und den Interessen der Anlieger. Insbesondere betonte er die Wichtigkeit des Gespräches auf Augenhöhe zwischen allen Akteuren, um zu zufriedenstellenden Lösungen für alle Beteiligten zu kommen.

Frau Stelse-Heine von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Heidekreis ging auf naturschutzrechtliche Aspekte der Gewässerunterhaltung ein. Dabei betonte sie die Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes, mit den Zugriffsverboten bei den besonders und streng geschützten Arten aber auch die Möglichkeit der Ausnahmegenehmigung und das Beratungs- und Gesprächsangebot durch die UNB. Die Gewässerunterhaltung gemäß dem Leitfaden „Artenschutz – Gewässerunterhaltung des NLWKN stellt, so Stelse-Heine, eine gute Hilfe dar, um sich rechtskonform bezüglich des Artenschutzes zu unterhalten.

Den Leitfaden des NLWKN können Sie hier einsehen und herunterladen.

Nach einer anschließenden Diskussion und einer Mittagspause wurden im Rahmen einer kleinen Exkursion mit dem Bus zwei Gräben nahe dem Wietzendorfer Moor angefahren. U.a. wurde ein kürzlich unterhaltener Graben angeschaut. Herr Tschöpe gab Hinweise, was bei der Unterhaltung des hydraulisch wichtigen Gewässers ökologisch berücksichtigt werden könnte, ohne die wasserwirtschaftlichen Ziele zu gefährden und stand den Teilnehmern bei der angeregten Diskussion mit seiner Fachkompetenz für Fragen zur Verfügung.

Die Veranstaltungsreihe zur Gewässerunterhaltung 3. Ordnung wurde von einer landesweiten Expertenrunde erarbeitet, um über die Anforderungen der Gewässerunterhaltung im regionalen Kreis zu informieren. Die Veranstaltung berücksichtigt regionale Besonderheiten und inhaltliche Schwerpunkte der Veranstalter und wurde seit 2011 14-mal mit finanzieller Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Bauen durchgeführt.

Die Präsentationen der Veranstaltung sind den Teilnehmern zugänglich gemacht worden. Bei Interesse können Sie diese bei der U.A.N. anfragen: schmidt(at)uan.de.

Weitere Veranstaltungen werden in den nächsten Jahren in anderen Regionen Niedersachsens folgen, aktuelle Hinweise und weitere Informationen zu dem Thema finden Sie stets auf unserer Internetseite!




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