27.11.2017 - „Unterhaltung von Gewässern 3. Ordnung – fachlich gut, rechtssicher und langfristig wirtschaftlich durchführbar?!" im Landkreis Gifhorn


Mehr als 80 Teilnehmer in der Brackstedter Mühle

Grußwort: Landrat Dr. Andreas Ebel

Einführung: Antje Präger vom Landkreis Gifhorn

Gut besuchte Veranstaltung: alle Plätze waren belegt!

Schonende Gewässerunterhaltung aus Sicht der Landwirtschaft: Horst Schevel, Landvolk Niedersachsen KV Gifhorn-Wolfsburg e.V.

Schonende Gewässerunterhaltung aus Sicht des Naturschutzes: Dr. Oskar Kölsch, Aktion Fischotterschutz e.V.

Schonende Gewässerunterhaltung aus Sicht der Unterhaltungsverbände: Silke Westphalen, Aller-Ohre-Verband

Manfred Tschöpe (3. von rechts) aus Hamburg bei seinen Erläuterungen während der Exkursion

Unterstützung durch das Aller-Mobil: Anke Willharms zeigte den Teilnehmern das Leben im Graben

Gewässerunterhaltung ist anspruchsvoll

Das war die Erkenntnis der Veranstaltung des Landkreises Gifhorn, Landkreis Gifhorn, Aller-Ohre Verband, Aktion Fischotterschutz, Landvolk Niedersachsen Kreisverband Gifhorn Wolfsburg e.V., Wasserverbandstag e.V. und Kommunaler Umwelt-AktioN U.A.N. am 27.11.2017 in der Brackstedter Mühle in Brackstedt.

Ungefähr 70 Teilnehmer von insbesondere Unterhaltungs- und Wasser- und Bodenverbänden und Kommunen waren der Einladung gefolgt, um sich einen Tag lang mit dem Thema „Unterhaltung von Gewässern 3. Ordnung – fachlich gut, rechtssicher und langfristig wirtschaftlich durchführbar!?“ zu beschäftigen.

Die Begrüßung erfolgte durch Landrat Dr. Andreas Ebel vom Landkreis Gifhorn, welcher einen kurzen Überblick über die Bedeutung der Gewässerunterhaltung in der Region gab.

Worin liegen die Herausforderungen bei der Gewässerunterhaltung heutzutage?

Die Gewässerunterhaltung umfasst nach dem niedersächsischen Wassergesetz sowohl die Erhaltung des ordnungsgemäßen Wasserabflusses als auch gleichberechtigt die Pflege und Entwicklung des Gewässers, wie Antje Präger, Leiterin des Fachbereichs Umwelt beim Landkreis Gifhorn und Verbandsvorsteherin vom Aller-Ohre-Verband ausführte. D.h. der Gewässerunterhalter hat sich um die Sicherstellung der Vorflut zu kümmern und gleichrangig die Gewässerökologie zu erhalten, wenn möglich sogar zu verbessern. Die Zeiten in denen Gräben immer  und grundsätzlich komplett gemäht und geräumt wurden, seien vorbei, die aktuellen Anforderungen machen eine Abwägung erforderlich, auch um eine lebenswerte Umwelt für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die rechtlichen Anforderungen gelten sowohl für die großen Flüsse, kleinen Bäche als auch Entwässerungsgräben, wenn sie die Grundstücke mehrerer Eigentümer entwässern, führte Wolfgang Zeiler vom Wasserverbandstag e.V. aus. Als Richtschnur für eine geänderte Unterhaltung kann dabei die Regel gelten: „so viel Eingriffe in das Gewässer wie (zum Wasserabfluss) nötig, so wenig Eingriffe wie möglich“, betonte er.

Über ein behutsames Zurücknehmen der Intensität von Unterhaltungsmaßnahmen bei gleichzeitiger Beobachtung des Verhaltens der Gewässer kann man sich dabei an das rechte Maß herantasten. Um Erfahrungen zu sammeln sollte man dort beginnen, wo keine hydraulischen oder sonstigen Einwände vorliegen. Dies trifft erfahrungsgemäß auf ca. 10 % der Gewässer 3. Ordnung zu, berichtete Herr Tschöpe vom Büro Projektberatung Umwelt und Nachhaltigkeit aus Hamburg. Und er ergänzte, warum dieses Vorgehen sinnvoll ist. „So können die Selbstreinigungskräfte der Gräben und der Artenschutz gestärkt werden.“

Regionale Statementgeber legten nachfolgend ihre Sicht hinsichtlich schonender Gewässerunterhaltung dar. Horst Schevel vom Landvolk Niedersachsen Kreisverband Gifhorn-Wolfsburg e.V. stellte klar, dass die Landwirtschaft eine schonende Gewässerunterhaltung unterstützt, diese jedoch nicht zu Lasten der Landwirtschaft gehen darf. Insbesondere muss die Funktion der Gewässer hinsichtlich Flächenbewirtschaftung sichergestellt sein. Er regte an, bei anstehenden Unterhaltungsmodifikationen vorab die Anlieger zu informieren um Vertrauen zu schaffen. Dr. Oskar Kölsch von Aktion Fischotterschutz e.V. stellte in seinem Statement die Sicht des Naturschutzes auf die Gewässerunterhaltung dar. Insbesondere die geschützten und streng geschützten Arten müssen bei der Wahl der Unterhaltungsarten und -methoden berücksichtig werden, um sie weitestgehend zu schonen. Silke Westphalen, Geschäftsführerin beim Aller-Ohre-Verband machte in ihrem Statement deutlich, dass den zukünftigen Herausforderungen und Veränderungen nur im Schulterschluss mit allen Beteiligten begegnet werden kann, um diese Aufgabe zum Wohle aller gerecht zu werden.

Als Hilfe bei der anspruchsvollen Aufgabe der Gewässerunterhaltung wurde auch auf den Fachplaner zur Gewässerunterhaltung 3. Ordnung verwiesen, den die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N. im Rahmen des Projektes Wasserrahmenrichtlinien-InfoBörse mit finanzieller Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz entwickelt und gemeinsam mit dem Wasserverbandstag e.V. seit 2015 jährlich herausgibt.

Frau Dr. Flasche von der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N., die bereits die 12. Veranstaltung dieser Art in Niedersachsen moderierte, beeindruckte, inwieweit die heute vorgetragenen fachlichen  Inhalte bereits Einzug in die Unterhaltungspraxis der Region gefunden haben. Auf Ihre Frage, wie der regionale Weg bei der Gewässerunterhaltung zukünftig weitergehen könnte, wurde verabredet, im Jahr 2018 konkrete Erfahrungen zu sammeln und die gewonnenen Erkenntnisse auf einer Folgeveranstaltung 2019 zu diskutieren und in einer Exkursion Beispiele anzufahren.

Am Nachmittag ging es im Rahmen einer kleinen Exkursion mit dem Bus zu 2 Gräben, wo verschiedene Konzepte für eine veränderte Unterhaltung vorgeführt und diskutiert wurden. Direkt vor Ort ließen sich die Eindrücke des Vormittags vertiefen und offene Fragen klären. Dank der freundlichen Unterstützung des Aller-Mobils hatten die Teilnehmer zudem die Möglichkeit, zuvor gekescherte Wasserbewohner unter die Lupe zu nehmen. Frau Willharms präsentierte neben Libellenlarven zahlreiche Köcherfliegenlarven und Bachflohkrebse, die sich in dem Gewässer einfangen ließen.

Das Konzept dieser Veranstaltungsreihe wurde in einer landesweiten Arbeitsgruppe mit Vertretern des Niedersächsischen Umweltministeriums, des Wasserverbandstages und von Wasserverbänden, unteren Wasserbehörden, Städten und Gemeinden, des Niedersächsischen Landvolks, eines Fischereiverbandes, eines Ingenieurbüros und der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N. erarbeitet.

Zum Abschluss möchten wir noch auf die digitale Planungshilfe zur Unterhaltung von Gewässern 3. Ordnung verweisen, die neben Möglichkeiten der Dokumentation insbesondere eine Abwägung der hydraulischen und ökologischen Anforderungen ermöglicht. Das Programm (Microsoft Excel 32-bit VBA) kann derzeit zu Testzwecken als Beta-Version kostenlos bei der U.A.N. angefordert werden. Schreiben Sie dazu einfach eine E-Mail an n.panckow@uan.de .

Die Präsentationen der Veranstaltung sind den Teilnehmern zugänglich gemacht worden. Bei Interesse können Sie diese bei der U.A.N. anfragen: wolff@uan.de

Weitere Veranstaltungen werden in den nächsten Jahren in anderen Regionen Niedersachsens folgen, aktuelle Hinweise und weitere Informationen zu dem Thema finden Sie stets auf unserer Internetseite!




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