07.04.2016 - Ins Schwarze getroffen?!“ – Neue Vorgehensweisen zur Umsetzung von Wasserrahmen- und Hochwasserrisikomanagementrichtlinie in Niedersachsen in Walsrode


Gefüllte Stadthalle in Walsrode: Es kamen mehr als 160 Teilnehmer!

Moderation: Dr. Katrin Flasche von der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N.

August Lustfeld, Vizepräsident des Wasserverbandstages

Kay Nitsche, Abteilung 2 Naturschutz, Wasserwirtschaft, Bodenschutz des Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Doris Schupp, Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Joachim Wöhler, Referat 24 Oberflächen- und Küstengewässer, Meeresschutz des Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Dr. Katharina Pinz, NLWKN Betriebsstelle Lüneburg

Ulrich Ostermann, Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen

Andreas Memmert, Bürgermeister der Gemeinde Schladen-Werla

Martin Elsner, Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Jürgen Herpin, Gewässerkoordinator beim Dachverband Hase

Dieter Müller, Bauamtsleiter der Stadt Meppen

Am 7. April folgten über 160 Personen der Einladung von Kommunaler Umwelt-AktioN U.A.N. und Wasserverbandtag in die Stadthalle in Walsrode, um sich mit dem Thema EG-Wasserrahmenrichtlinie und Hochwasserrisikomanagementrichtlinie zu befassen. Unter dem Titel „Ins Schwarze getroffen?!“ – Neue Vorgehensweisen zur Umsetzung  von Wasserrahmen- und Hochwasserrisikomanagementrichtlinie in Niedersachsen berichteten Vertreter des Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz, des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Kommunalvertreter sowie Vertreter der Wasser- und Bodenverbände über den aktuellen Stand der Umsetzungen und über Neuerungen in diesem Sektor.

Die Begrüßung und Moderation erfolgte durch Dr. Katrin Flasche von der Kommunalen Umwelt-AktioN. August Lustfeld, Vizepräsident des Wasserverbandstages, warb mit Blick nach Europa für die Möglichkeiten des Artikels 19 der WRRL, wonach die Kommission die Richtlinie spätestens 19 Jahre nach ihrem Inkrafttreten überprüft und ggfs. erforderliche Änderungen vorschlägt. Notwendige Korrekturen werden z.B. beim „One-out-all-out-Prinzip“ gesehen.

Der erste Themenblock "Aktuelle Erfahrungen und Einschätzungen zur zukünftigen Umsetzung der Richtlinien in Niedersachsen" wurde durch Kay Nitsche vom Umweltministerium eröffnet. Er stellte in seinem Vortrag die Sicht des Landes auf die Ereignisse der letzten Jahre heraus und machte deutlich, dass es zur Zielsetzung der EG-WRRL, dem guten ökologischen Zustand bzw. Potenzial der Wasserkörper, noch ein weiter Weg sei, der mit dem derzeitigen Tempo bis 2027 schwer zu erreichen ist.

Im Anschluss stellten Doris Schupp und Joachim Wöhler vom Umweltministerium das Aktionsprogramm Niedersächsische Gewässerlandschaften vor, das erstmalig in Niedersachsen die landesweiten Aktivitäten zur Gewässer- und Auenentwicklung und dem vorsorgenden Hochwasserschutz bündelt und miteinander verknüpft. Seine Aufgabe ist es, Wegweiser zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten zu sein. Das Aktionsprogramm ist bundesweit das erste fachübergreifende Programm zur ganzheitlichen Entwicklung einer landesweiten Gewässerlandschaft.

Die Sicht des Landes auf die 2015 gestarteten Gewässerallianzen wurden durch Dr. Katharina Pinz vom NLWKN vorgestellt. Sie zog das Zwischenfazit, dass mit den Gewässerallianzen durchaus ins Schwarze getroffen wurde und warb um eine Weiterführung um mindestens zwei weitere Jahre, um wirkliche Erfolge sichtbar machen zu können. Die Arbeit der Gewässerkoordinatoren sei gut gestartet, erfahrene Kollegen nutzten ihr bestehendes Netzwerk und setzten bereits Maßnahmen um, während jüngere Kollegen, unterstützt durch die Unterhaltungsverbände, Kontakte aufbauen und weitere Zeit benötigen würden.

Ulrich Ostermann vom Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen stellte in seinem Vortrag die Sicht der Unterhaltungsverbände auf die Gewässerallianzen dar. Auch er begrüßte grundsätzlich das Programm der Gewässerallianzen. Sein Verband benötige allerdings ebenfalls weitere Zeit, da die Aufgabe der Gewässerkoordinatorin derzeit noch in der Erarbeitung einer konzeptionellen, ganzheitlich, einzugsgebietorientierten Lösung liegt.

Erfahrungen mit "IGAM" – integriertem Gewässer- und Auenmanagement, wurden durch den Bürgermeister der Gemeinde Schladen-Werla Andreas Memmert vorgestellt. Die erfolgreiche, interkommunale Partnerschaft im „Integrierten Hochwasserschutzkonzept Nördliches Harzvorland“ (HWSK) charakterisierte er mit den Schlagwörtern „Kooperation statt Konkurrenz, Intelligenz statt Intrige“.

Am Nachmittag eröffnete Martin Elsner den zweiten Themenblock "Weichenstellungen für die Zukunft der Umsetzung auf Ebene des Landes und der Kommunen". Herr Elsner berichtete über den aktuellen Stand der Diskussion zur Novellierung des NWG, in dem beispielsweise 5m-Randstreifen an Gewässern 3. Ordnung in Niedersachsen vorgesehen sind, so wie es sie auch schon in anderen Bundesländern gibt und im WHG des Bundes vorgeschrieben ist.

Gewässerkoordinator Jürgen Herpin vom Dachverband Hase stellte in seinem Vortrag die Weiterentwicklung des Osnabrücker Kompensationsmodells zur Bewertung von Eingriffen vor. Durch die Einführung von Bonusfaktoren kann der Flächendruck bei der Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen minimiert werden. Dies schont landwirtschaftlich genutzte Produktionsflächen und erhöht die Akzeptanz für erforderliche Kompensationsmaßnahmen.

Dieter Müller, Bauamtsleiter der Stadt Meppen, berichtete im letzten Vortrag des Tages vom Umgang seiner Kommune mit Hochwasserrisiken. Für die Stadt Meppen, bedingt durch die Lage am Zusammenfluss von Hase und Ems im Stadtgebiet, ist Hochwasserschutz eng mit den Zielen der Gewässerentwicklung nach EG-WRRL verbunden. Synergien zwischen Hochwasservorsorge und Gewässerentwicklung werden hier genutzt und gelebt- mit einem Mehrnutzen für alle Beteiligten.

Frau Dr. Flasche fasste die Vorträge und Diskussionen des Tages zusammen:

„Mit vielen Maßnahmen im Land wurde ins Schwarze getroffen. Dazu zählen das Aktionsprogramm Niedersächsische Gewässerlandschaften, die Gewässerallianzen, die erfolgreichen regionalen Kooperationen beim Hochwasserschutz und der Gewässerentwicklung sowie die Weiterentwicklung des Osnabrücker Kompensationsmodells. Sorge bereitet die zeitliche Dimension, mit der Erfolge erzielt werden können. Dies ist auch ernüchternd für die Engagierten im Land. Darum sollten wir gemeinsam überlegen, was es braucht, um mehr Leichtigkeit in den Umsetzungsprozess zu bringen – jeder an seinem Platz und mit seinen Möglichkeiten. Der Austausch mit allen Akteuren muss fortgesetzt werden und dann können wir hoffentlich auf der nächsten Walsrode-Veranstaltung von weiteren positiven Entwicklungen hören. Das würde mich freuen.“

Die Präsentationen der Referenten finden Sie im unteren Bereich der Seite als pdf-Dateien zum Download!




< 19.11.2015 - 2. Veranstaltung der Gewässerfreunde Niedersachsen in Hannover